Der Donnerstag-Blog – verfügt über einen starken und bewegenden Text. Dieser macht die Kluft zwischen der „funktionierenden Außenwelt“ und der „inneren bürokratischen Lähmung“ dann doch greifbar.
Zwischen Zügen und Zuständigkeiten
Wenn das System reibungslos an dir vorbeifährt: zwischen Zügen und Zuständigkeiten. Während die Welt um mich herum perfekt funktioniert, stehe ich als Rollstuhlfahrer vor den Trümmern eines bürokratischen Apparats. Mein Alltag ist geprägt von Anträgen, Warteschleifen und der erschöpfenden Suche nach Menschlichkeit in einem Geflecht aus Budgets und Paragrafen. Warum bremst ein System, das eigentlich helfen soll, so viele Menschen aus? Ein persönlicher Appell gegen das stille Aufgeben und für eine längst überfällige Reform unserer Versorgungsstrukturen. Und nein, die aktuelle Politik meine ich damit nicht – das wird noch eine ganz andere Nummer.
Vorsicht: Das ist ein sehr starker und bewegender Text. Er macht die Kluft zwischen der „funktionierenden Außenwelt“ und der „inneren bürokratischen Lähmung“ greifbar.
Zwischen Zügen und Zuständigkeiten
Ich sitze im Rollstuhl am Bahnhof und beobachte die vorbeifahrenden Züge. Einer nach dem anderen kommt an, die Türen öffnen sich, Menschen steigen ein und aus – alles läuft reibungslos, alles funktioniert. Bewegung, Struktur, ein System, das scheinbar perfekt ineinandergreift. Und genau in diesem Moment wird mir etwas klar: Es geht hier nicht um Züge, sondern um das System dahinter, abgesehen von den Baustellen und täglichen Unpünktlichkeit. Denn sobald man selbst auf Hilfe angewiesen ist, verändert sich alles. Plötzlich funktioniert nichts mehr so einfach. Man stellt einen Antrag und wartet. Benötigt Unterstützung und es wird geprüft. Hat Schmerzen und bekommt gesagt, jemand anderes sei zuständig. Und währenddessen vergeht Zeit. Deine Zeit.

Realität für viele!
Ich habe gelernt, dass dies kein Einzelfall ist. Es ist Realität für viele. Ein System, das verzögert, ablehnt, weiterreicht. Nicht unbedingt, weil die Menschen darin nicht helfen wollen, sondern weil es so aufgebaut ist. Zuständigkeiten statt Lösungen. Budgets statt Menschlichkeit. Prozesse statt Fortschritt. Und während all das passiert, wächst die Frustration. Die Kraft schwindet. Menschen geben später auf. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie müde sind. Müde vom Kämpfen, vom Erklären, und natürlich vom Warten.
Ich sitze hier und sehe, wie alles um mich herum funktioniert – nur das, worauf es wirklich ankommt, nicht. Und ich frage mich: Wie kann es sein, dass ein System, das eigentlich helfen soll, so viele Menschen ausbremst? Ich weiß, dass ich nicht allein bin. Ich weiß, dass viele genau das gerade fühlen und erleben. Deshalb schreibe ich das hier. Damit es sichtbar wird. Damit darüber gesprochen wird, und wir uns nicht weiter still durchkämpfen. Wenn du das kennst, wenn du auch wartest, kämpfst oder schon an deine Grenzen gekommen bist – dann schreib es in die Kommentare. Lass uns zeigen, wie viele wir sind. Vielleicht erreicht es die, die etwas verändern können. Vielleicht auch nicht.
Eines noch!
Aber stillbleiben hilft garantiert nicht. Ich werde weiter kämpfen. Solange ich die Kraft dazu habe. Dank an die kleine Königin und meine Familie, ihr tragt das, was ich momentan allein nicht schaffen kann. Und vielleicht sollten wir uns alle eine ganz einfache Frage stellen: Benötigen wir wirklich all die vielen gesetzlichen Krankenkassen und dieses ganze Geflecht aus Zuständigkeiten – oder brauchen wir endlich ein System, das für Menschen funktioniert?
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