Q + A zur Digitalisierung

Q + A zur Digitalisierung – Digitalisierung aktuell ein Top-Thema für viele Menschen. Genau zu diesem Thema haben wir die Landtagskandidatin Marion Schardt-Sauer in unserer Reihe „Hessen wählen am 28. Oktober 2018“ befragt, hier ihre Antworten…

Hessen wählen am 28. Oktober 2018

Q + A zur Digitalisierung

„Digitalisierung“: Megatrend oder nur ein Modewort?

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und ist wohl die bedeutsamste Entwicklung des 21. Jahrhunderts. Viele Vorteile aus der Digitalisierung nutzen wir schon heute, trotzdem macht die moderne Technologie vielen Menschen Angst. Aus meiner Sicht helfen Sachinformationen, und genau deshalb haben wir einige Fragen und diesen Text der Landtagskandidatin und Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes Limburg-Weilburg, Marion Schardt-Sauer gestellt.

Q + A zur Digitalisierung
Bild © Marion Schardt-Sauer

Frau Schardt-Sauer – Wie kann zukünftig das Potenzial in der Digitalisierung für mehr Lebens-, Standort- und Arbeitsqualität greifen?

Um das Potenzial der Digitalisierung künftig zu erschließen, kommt es zunächst darauf an, das Thema positiv im Bewusstsein der Menschen und vor allem der „Entscheider“ zu verankern. Wir müssen dafür sorgen, dass auf allen gesellschaftlichen Ebenen versucht wird, die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen zu nutzen. Dazu gehört vor allem, dass wir es endlich schaffen, die Grundlagen für die Digitalisierung herzustellen. Hier hinken wir als führende Industrienation leider im Vergleich zu anderen Ländern hinterher. Jeder, der ab und zu vom Auto aus telefoniert kennt das: Man hangelt sich häufig von Funkloch zu Funkloch. Oder fragen Sie die Menschen außerhalb der Städte: die Internetverbindungen auf dem sogenannten „flachen Land“ sind teilweise katastrophal. Aktuell steht Deutschland im internationalen Vergleich beim Ausbau der Glasfaserleitungen bis zum Endverbraucher auf Platz 59! Nach einer Umfrage des Verbands junger Unternehmer verfügt mehr als ein Drittel der Familienunternehmen nicht einmal über eine 16-MBit-Verbindung, nur 11% haben eine Verbindung von 100MBit, was dem aktuellen Standard entspricht. (Quelle: Welt kompakt, 22.05.). Betroffen sind also nicht nur Privatleute, sondern insbesondere auch Unternehmen.

Frau Schardt-Sauer – Was muss sich im Bund und insbesondere in Hessen in Sachen Digitalisierung tun, um in Sachen Digitalisierung voran zu kommen?

Digitalisierung muss vor allem in der politischen Arbeit einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Das beginnt aus meiner Sicht damit, dass wir z.B. ein Ministerium für Digitalisierung aufbauen – sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene. Mit halbherzigen Maßnahmen werden wir es nicht schaffen, mit der extrem dynamischen, globalen Entwicklung auch nur annähernd Schritt zu halten. Dann kommt es darauf an, schnell und konsequent die notwendige digitale Infrastruktur herzustellen. Ohne eine moderne und funktionierende digitale Infrastruktur – Stichwort Glasfasernetze und 5G – bleiben alle denkbaren Anwendungsmöglichkeiten (= Chancen) auf der Strecke. Dabei darf es nicht nur bei bloßen Ankündigungen und Absichtserklärungen bleiben. „Handeln und umsetzen“ muss die Devise sein. Die aktuell im Bund und in Hessen Verantwortlichen wirken hier leider sehr uninspiriert und träge.

Frau Schardt-Sauer – Viele Menschen sind besorgt und fragen sich z.B., was wird in Zukunft aus unseren Arbeitsplätzen. Sind diese Sorgen aus Ihrer Sicht berechtigt bzw. was können sie unseren Lesern und Gästen dazu mitteilen?

Die Digitalisierung wird unbestreitbar alle Bereiche unseres Lebens –nicht nur die Arbeitswelt- beeinflussen und sicher auch nachhaltig verändern. Wie alle großen Veränderungsprozesse kann das durchaus auch Sorgen auslösen. Das kann ich gut verstehen. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass solche Entwicklungen immer auch neuen Arbeitsmodelle und Arbeitsplätze hervorbringen, sich neue Chancen und neue Wege auftun!
Wer hätte z.B. vor 30 Jahren gedacht, dass Entwickler von Computerspielen ein ernsthafter Arbeitsplatz sein würde? Wer hätte sich noch vor 20 Jahren vorstellen können, wie weit Smartphones einmal den Alltag bestimmen würden – heute kann sich kaum jemand ein Leben „ohne“ vorstellen.

Also: Wir als Politiker sind aufgefordert, nahe an den Menschen zu sein und zu erklären, was passiert. Aber nicht nur das: wir müssen auch über Ansätze und Konzepte nachdenken, die es den Menschen ermöglichen, die Chancen zu nutzen. Es geht auch darum, Freiräume auf- und auszubauen, in denen sich Innovationen entwickeln können. So haben wir den Vorschlag von „Digitalen Freiheitszonen“ auch „Sonderwirtschaftszonen“ eingebracht. Diese digitalen Freiheitszonen genießen im Hinblick auf regulatorische Maßnahmen einen höheren Freiheitsgrad. Ausgründungen, Startups, innovative Geschäftsideen finden hier Raum sich zu entfalten.

Die Arbeitswelt der Zukunft bietet viele Chancen, aber natürlich auch Herausforderungen. Ein ganz zentraler Baustein ist dabei für uns Freie Demokraten die Bildung.

Konkret bedeutet das, wir müssen nicht nur die technologischen Aspekte durchdenken und vorantreiben, sondern brauchen parallel Ideen, wie wir z.B. Menschen für neue Arbeitsplätze und die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt qualifizieren können.

Dies beginnt in den Schulen und geht weiter über die berufliche Bildung. Und ganz wichtig: Es bedarf außerdem einer Bildungsoffensive für lebenslanges Lernen. Nur so können wir aktiv die rasanten Veränderungen durch den technischen Fortschritt und Innovation als Grundlage für den Wohlstand möglichst vieler gestalten.

Frau Schardt-Sauer – Die Anschlussfrage: Menschen äußern bedenken – Scheindiskussionen und zu viel Aktionismus rund um die Digitalisierung verschlingen eine Menge Zeit und Geld – Was kann man dem entgegnen?

Vor allem kann ich –mit Blick auf die derzeit in der Verantwortung stehenden Politiker- sehr gut nachvollziehen, dass der Eindruck von Aktionismus und Scheindiskussionen entsteht. Ein kleines Beispiel: Die letzte Bundesregierung hat versprochen, für ein flächendeckendes 3G-Netz zu sorgen. Hat leider nicht funktioniert. Jetzt verspricht man schnell ein 5G-Netz, ohne 3G auch nur annähernd umgesetzt zu haben. So entsteht kein Vertrauen.

Ich persönlich finde, es kommt darauf an, sich auf die grundlegenden Anforderungen zu konzentrieren und die notwendigen Maßnahmen schnell und konsequent umzusetzen.

Dazu braucht es vor allem eine übergreifende und zielgerichtete Koordination der Maßnahmen und Initiativen. Womit wir z.B. wieder bei einem Ministerium für Digitalisierung wären…

Frau Schardt-Sauer – Was können sie dem Leser und Gästen zum Thema: „Ökosystem der Digitalisierung“ mitteilen?

Zunächst glaube ich, dass der Begriff etwas erläuterungsbedürftig ist und es „DAS“ Ökosystem der Digitalisierung im engeren Sinne schlicht nicht gibt.

In Anlehnung an die eigentliche Herkunft des Begriffs –der Biologie-, ist ein Ökosystem ein dynamisches Beziehungsgefüge zwischen verschiedenen Lebensformen in einem bestimmten Raum. Übertragen auf die Digitalisierung könnte die Antwort auf die Frage, was ist eigentlich ein digitales Ökosystem, etwa lauten: So etwas wie Google, Facebook oder Apple. Digitale Ökosysteme bieten freien Zugang für unterschiedlichste Akteure also Nutzer, Betreiber, Programmierer, Kreative und die jeweils wechselseitig Einflüsse auf die Weiterentwicklung des Systems haben.

Ich glaube, wir werden das in Zukunft noch wesentlich öfter und intensiver sehen, dass solche digitalen Ökosysteme die Treiber der Entwicklung sein werden. Unter anderem auch, weil es dort zu einer Akkumulation von Wissen, Kreativität und nicht zu Letzt finanzieller Mittel kommt. Politik und Gesellschaft müssen Antworten finden, wie sichergestellt werden kann, dass solche Systeme zur positiven Weiterentwicklung für alle Beteiligten beitragen können.

Q + A zur Digitalisierung
Grafik © Marion Schardt-Sauer

Frau Schardt-Sauer – Wie sehen sie persönlich die Gestaltungsfelder in der Digitalisierung bei Bildung, Mobilität, Verkehr, Verwaltung sowie Gesundheit und Pflege. Koordiniert und gegebenenfalls auch konsolidiert werden und somit einen möglichst großen Nutzen für die Gesellschaft zu erzielen?

Zu dieser Frage könnte ich Ihnen einen abendfüllenden Vortrag halten. Ich würde es deshalb für den Moment auf einige konkrete Beispiele zusammenfassen:

  • Bildung: Ausstattung der Schulen mit modernem, zeitgemäßem Equipment und
    insbesondere Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer
  • Mobilität/Verkehr: Entwicklung und Implementierung intelligenter Verkehrsleitsysteme
  • Verwaltung: Aufbau digitaler Bürgerbüros und deutliche Ausweitung von Online-
    Nutzungsmöglichkeiten der Services der öffentlichen Verwaltung – Chancen für einen unkomplizierteren Staat.
  • Effizientes Handeln des Staates: Die Digitalisierung bietet Chancen, Abläufe zu überdenken, neu und effizienter zu gestalten – so zB im Bereich der Sicherheitsbehörden.
  • Gesundheit/Pflege: Ausweitung von Online-Sprechstunden, Bereitstellung digitaler Informationsmöglichkeiten bis hin zur Nutzung digitaler Tools in der Pflege und Patientenbehandlung

Wobei natürlich bei jeder Nutzung digitaler Tools nicht nur Effizienzüberlegungen im Mittelpunkt stehen dürfen, sondern insbesondere auch die Nutzer in ihren Rechten gestärkt werden müssen, insbesondere wenn es um den Schutz der Privatsphäre und der Nutzung personenbezogener Daten geht.

Frau Schardt-Sauer, wir bedanken uns für ihre Ausführungen und Antworten zu unseren Fragen beim Thema Digitalisierung.

Ihr / Euer Frank F. König

Frank F. König

Manche werden denken: Noch so ein Blog. Themenvielfalt und "Barrierefreie Ausblicke in Wort und Bild" wird angekündigt. Das stimmt. Aber im Verhältnis der Menschen bleiben sehr viele Geschichten, Gefühle und Meinungen auf der Strecke. Der Alltag hat uns fest im Griff. Dieser Blog ist der Versuch, diese vielen Kleinode dem Vergessen zu entreißen. (Kleinod ist ein altes deutsches Wort für ein Schmuckstück. Heute wird es im übertragenen Sinne als Kostbarkeit eingesetzt.)